Teil- oder gleitende Pensionierung: eine häufig vernachlässigte Option

Ganzheitliche Vermögensberatung | Juni 2018

Alexandre Genet

Finanzplaner, Bordier & Cie

Zahlreiche Pensionskassen bieten die Möglichkeit eines vorzeitigen Übergangs in den Ruhestand ab 58 Jahren. Aber selbst bei sparsamer Lebensweise können sich dies nicht allzu viele Arbeitnehmer erlauben. Allerdings ist unter Umständen ein stufenweiser Ausstieg aus dem Berufsleben mit Bezug einer Teilrente möglich.

In der Praxis sind nur wenige Arbeitnehmer an dieser Lösung interessiert. Ideal ist die gleitende Pensionierung jedoch für Menschen, die nicht abrupt aus dem Berufsleben aussteigen möchten. Eine gute Lösung ist sie auch für Mitarbeitende und Unternehmen, die den Übergang für beide Seiten vorteilhaft gestalten möchten. Das Unternehmen hat mehr Zeit, um einen Nachfolger zu finden und einzuarbeiten. Gleichzeitig erhält der Versicherte zusätzlich zu seiner eventuellen BVG-Teilrente ein seinen persönlichen Bedürfnissen entsprechendes Gehalt und kann seine Kompetenzen weiterhin in das Unternehmen einbringen.

Das Altersguthaben des Arbeitnehmers setzt sich aus einem passiven (z.B. bei Gewährung einer Teilrente) und einem aktiven Anteil (Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses) zusammen. In vielen Fällen besteht der Wunsch nach einer Reduktion der Arbeitszeit bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der beruflichen Vorsorge auf der Grundlage des aktuellen Gehalts. Im Reglement über die berufliche Vorsorge kann die Aufrechterhaltung der Vorsorge auf der Basis des letzten versicherten Einkommens für Versicherte vorgesehen sein, die das 58. Lebensjahr vollendet haben und deren Gehalt sich höchstens um die Hälfte verringert. Wenn die Vorsorgestiftung die Möglichkeit einer Teilpensionierung anbietet, ist die Beitragsgleichheit allerdings nicht mehr unbedingt gewährleistet. Für den Arbeitgeber ist die Teilpensionierung kostenneutral, ausser wenn dieser trotz der Reduktion der Arbeitszeit weiterhin Arbeitgeberbeiträge übernimmt, die einem höheren als dem effektiven neuen (verringerten) Gehalt entsprechen. Ist dies nicht der Fall, stellt sich die Frage, ob der Arbeitnehmer den Arbeitgeberanteil übernehmen kann/will.

Das Gesetz sieht keine Pensionierung in Raten vor. Je nach Kanton muss die Reduktion der obligatorischen Mindestarbeitszeit zwischen 20% und 30% betragen, damit eine Teilpensionierung gegeben ist. Generell muss mindestens ein Jahr zwischen den verschiedenen Pensionierungsschritten liegen. Hingegen ist es nicht möglich, das Pensum nach dem Übergang in die Teilpensionierung wieder zu erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass das Altersguthaben proportional zum Pensionierungsschritt ausgezahlt wird. So werden bei einer Reduktion der Arbeitszeit und des Gehalts um 40% ebenfalls 40% des verfügbaren Guthabens frei. Bei jeder Pensumsreduktion ist der Arbeitnehmer berechtigt, den seinem Altersguthaben entsprechenden Prozentsatz zu beziehen. Dieses Guthaben kann in eine Rente umgewandelt, als Kapitalbetrag bezogen oder eventuell auch auf eine Freizügigkeitseinrichtung (auf maximal 2 verschiedene Konti/Policen) übertragen werden. Die Teilpensionierung ist in mehr als einer Hinsicht für Führungskräfte interessant, die sich an der Schwelle zum 60. Lebensjahr schrittweise aus ihrem Unternehmen zurückziehen möchten. Eine Variante besteht darin, einen Teil von ihrer Pensionskasse auf ein Freizügigkeitsdepot zu übertragen, um einige Jahre lang (höchstens bis zum Alter von 70 Jahren) die steuerlichen Auswirkungen auf das Einkommen und das Vermögen zu verringern.

Generell sind die Kapitalauszahlung oder die Übertragung auf eine Freizügigkeitseinrichtung die im Falle einer Teilpensionierung gängigsten Optionen. Werden zwei Vorsorgevermögen in zwei unterschiedlichen Steuerjahren ausgezahlt und versteuert, führt dies zu einer Brechung der Steuerprogression.

Die Steuerbehörden prüfen Reglemente über die berufliche Vorsorge, die verschiedene Pensionierungsschritte vorsehen, sehr sorgfältig. Aus gutem Grund, denn solche Teilauszahlungen des Altersguthabens können theoretisch zu einer Steuerminderung führen. Kapitalauszahlungen stellen im Prinzip kein Problem dar, sofern folgende Bedingungen erfüllt sind: erste Reduktion der Arbeitszeit nach Vollendung des 58. Lebensjahrs, Reduktion um mindestens 20% oder 30% je Pensionierungsschritt (je nach Kanton), maximal 3 Pensionierungsschritte (generell akzeptiert die Finanzverwaltung zwei Kapitalentnahmen), kein BVG-Einkauf mehr nach dem ersten Pensionierungsschritt. Manche Bestimmungen fallen unter das Steuerrecht und können von einem Kanton zum anderen variieren. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, wird Betroffenen empfohlen, sich vor einer Entscheidung zur Teilpensionierung genau zu erkundigen.

Die stufenweise Teilpensionierung soll vor allem bestimmte Bedürfnisse z.B. im Rahmen der finanziellen Planung des Ruhestands decken. Für Bezieher von Teil-, aber noch immer hohen Arbeitseinkommen neben einer BVG-Teilrente sowie Miet- oder Nebeneinkünften ist eine Steuerersparnis nicht immer gegeben. Bei einem hohen Grenzsteuersatz ist in solchen Fällen die zusätzliche Steuer auf die Teilrente erheblich.

Alexandre Genet

Alexandre Genet

Finanzplaner,
Bordier & Cie

Dieser Artikel ist Teil der Ganzheitlichen Vermögensberatung vom Juni 2018, siehe auch: