Analyse des Hier und Heute zur Vorbereitung auf das Morgen

Ganzheitliche Vermögensberatung | Dezember 2018

Alexandre Genet

Finanzplaner, Bordier & Cie

Es gibt im Leben viele Dinge, die man nicht vorhersehen, für die man sich aber rüsten kann. Die rechtzeitige Planung seiner finanziellen Zukunft ist mit Sicherheit die beste Investition, die man für das Alter tätigen kann.

Aktuellen Studien zufolge ist die Altersvorsorge ein Hauptanliegen der meisten Erwerbstätigen. Die Gründe hierfür sind nur zu gut bekannt. Die Verlängerung der Lebenserwartung und das Niedrig- zinsumfeld belasten das Vorsorgesystem. Hinzu kommen einerseits ein niedriges durchschnittliches effektives Renteneintrittsalter sowie andererseits recht „grosszügige“ Altersbezüge für dieje- nigen, die in den Genuss von Umwandlungssätzen kommen, die mittlerweile auf lange Sicht nicht mehr tragbar scheinen.

Die Eidgenossenschaft legt im Gesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) einen Umwandlungssatz fest, der schrittweise von 7,2% auf 6,8% abgesenkt wurde. Die Pensionskassen sind gehalten, diesen Satz auf den obligatorischen Teil des Vorsorgeguthabens anzuwenden. Für den überobligatorischen Teil (der häufig den grössten Teil der Guthaben der zweiten Säule bei leitenden Angestellten und Führungskräften darstellt) legen die Pensionskassen den anwendbaren Satz selbst fest. Dieser ist häufig deutlich niedriger als der auf den obligatorischen Teil angewandte Satz. Bei etlichen Pensionskassen liegt der Umwandlungssatz derzeit bei rund 5% und dürfte in den kommenden Jahren weiter sinken.

Ist vor diesem Hintergrund für Erwerbstätige ein vorzeitiger Über- tritt in den Ruhestand überhaupt noch möglich ? Ist es sinnvoll, regelmässige Rückzahlungen (freiwillige Einzahlungen) in die zweite Säule vorzunehmen ? Benötigt man zur Deckung seines späteren Finanzbedarfs beim Übertritt in den Ruhestand eine Rente der zweiten Säule, ein Kapital oder eher eine Mischung aus beiden ? Reicht eine während des gesamten Erwerbslebens sorgfältig finanzierte dritte Säule aus, um die gegenwärtige Absenkung der Leistungen der zweiten Säule zu kompensieren ? Oder muss diese dritte Säule dazu dienen, einen Teil der Hypothekenkredite zu tilgen, wie ursprünglich vielleicht vorgesehen ? Über welches garantierte Grundeinkommen muss man im Rentenalter verfügen, um auf lange Sicht sorglos leben zu können ?

Man muss Entscheidungen treffen, es stellen sich viele Fragen, es gibt keine Patentlösung. Der ausschlaggebende Faktor ist immer die individuelle Situation. Das Wichtigste ist, das Thema vorausschauend zu behandeln und die steuerlichen sowie erbrecht- lichen Konsequenzen der geplanten Handlungen zu bedenken.

Ausgangspunkt einer jeden Finanzplanung für den Ruhestand muss die gleichzeitige Analyse des Familienbudgets (Gesamteinkünfte und -ausgaben, einschliesslich Steuern) und des Vermögens sein. Welcher Betrag kann nach Abzug aller Ausgaben jedes Jahr zurück- gelegt werden ? Wie wird dieser Betrag verwendet bzw. angelegt ? Beispielsweise gilt es festzustellen, ob neben den Einzahlungen in steuerlich attraktive private Vorsorgepläne (z.B. in die dritte Säule) wiederholte Einzahlungen in die zweite Säule vorzunehmen sind. Wie ist das Vermögen angelegt ? Ist es jederzeit oder kurzfristig verfügbar oder ist es fest angelegt, z.B. in Immobilien ? Es stellt sich auch die Frage, ob man verfügbare Sparguthaben während des Erwerbslebens regelmässig an den Finanzmärkten anlegen sollte. Die Renditen, die Sparkonten im Moment bieten, sind mager. Die derzeit extrem niedrigen Zinsen, die eventuell durch die Vermögenssteuer sowie die Inflation erodiert werden, lassen viele Vermögen langsam, aber sicher abschmelzen. Somit wird der Kapitalerhalt eine schöne Illusion.

Es steht ausser Zweifel, dass Anlagen an den Finanzmärkten bessere Renditeaussichten bieten. Ein erheblicher Anteil des Vermögens wird während des Erwerbslebens von den Rentenkassen im Rahmen der zweiten Säule angelegt. Im Sinne der Kontinuität wäre es logisch, das beim Übertritt in den Ruhestand ganz oder teilweise aus der Altersvorsorge entnommene Geld unter Beachtung der Anlagerichtlinien der zweiten Säule in einen diversifizierten Fonds zu investieren.

Sobald die Entscheidung, sich um seine finanzielle Zukunft zu kümmern, gefallen ist, stellt sich die Frage nach dem idealen Partner. Kann man diesen Weg alleine beschreiten, mit seinen eigenen Kompetenzen hinsichtlich Vermögensverwaltung, ohne computergestützte Entscheidungshilfen, ohne den objektiven Blick eines Aussenstehenden ? Die selbständige Planung seiner Ruhestandsfinanzierung erfordert vorherige Berechnungen, die wahrscheinlich weniger genau als die eines Spezialisten sind, der über spezielle Softwaretools verfügt.

De facto wird die Finanzplanung für den Ruhestand in der Regel Erwerbstätigen angeboten, die in etwa zehn Jahren in Rente gehen und die wissen möchten, ob sie die für eine sorglose finanzielle Zukunft richtigen Entscheidungen getroffen haben. So sind Immo- bilienbesitz, Vorsorge, Finanzanlagen, Besteuerung und Nachlass- regelung Bereiche, die eng miteinander verwoben sind und die es ganzheitlich, aber auch detailliert anzugehen gilt.

Ein persönlicher Finanzplan muss letztendlich eine erschöpfende Bestandsaufnahme des aktuellen Zustands und der voraussichtlichen Entwicklung des Vermögens darstellen.

Zu diesem Zweck werden verschiedene Prognoseszenarien je nach den finanziellen Gegebenheiten und Wünschen des Betrof- fenen (Finanzierung eines Vorruhestands, vollständige Tilgung von Schulden, teilweiser Vorbezug des Vorsorgeguthabens in Form von Kapital, Schenkung an Kinder zu Lebzeiten etc.) erstellt. Dabei werden die Vor- und Nachteile der einzelnen Szenarien untersucht und die jeweiligen Auswirkungen verdeutlicht. Diese konsolidierte Sichtweise schafft den nötigen Abstand zu früheren Entschei- dungen und listet die Bank-, Versicherungs- oder vertraglichen Lösungen auf, die dem jeweiligen Bedarf präzise entsprechen. Dieser ganzheitliche Ansatz zur Vermögensstrukturierung gibt die präzise Richtung vor und erstellt einen konkreten Zeit- und Mass- nahmenplan.

Dieser Artikel ist Teil der Ganzheitlichen Vermögensberatung vom Dezember 2018, siehe auch: