Die zweite Säule für Selbständigerwerbende

Ganzheitliche Vermögensberatung | Juni 2020

Alexandre Genet

Finanzplaner, Bordier & Cie

Freiberufler und Selbständigerwerbende sind nicht zur obligatorischen beruflichen Vorsorge im Rahmen der zweiten Säule verpflichtet, können sich aber auf freiwilliger Basis versichern.

Als Beispiel seien ein selbständiger Facharzt und sein Assistent angeführt. Angenommen, beide sorgen über eine Pensionskasse, die Angehörigen der medizinischen Berufe vorbehalten ist, im Rahmen der BVG Mindestversicherung vor. Für den selbständigen Facharzt ist diese erste Ebene der zweiten Säule fakultativ. Dennoch kann er sich für eine zusätzliche überobligatorische und ebenfalls fakultative BVG-Lösung bei einer anderen Pensionskasse entscheiden.

„Für Selbständigerwerbende, die ein hohes Einkommen erzielen, ist die Mitgliedschaft in einer Pensionskasse eine Selbstverständlichkeit.“

So beläuft sich das im Rahmen eines überobligatorischen Vorsorgeplans nach AHV versicherbare Einkommen derzeit auf maximal 853.200 Franken. Bei diesem versicherten Betrag können die Sparbeiträge im Rahmen der zweiten Säule bis zu 25% reichen, d.h. bis 213.000 Franken jährlich, die vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden können. Selbst bei Beiträgen von 20% auf das versicherte Einkommen ist der dank der zweiten Säule realisierte Steuerabzug bei einem versicherten Jahreseinkommen von 200.000 bereits höher als bei einer gebundenen dritten Säule (3. Säule a). Auch wenn der selbständige Zeichner eines 3a-Kontos seine Beiträge bis zur Höhe von 20% von seinem Jahreseinkommen absetzen kann, so beläuft sich der Höchstbetrag derzeit auf 34.128 Franken jährlich (wenn er nicht bereits einer Vorsorgekasse angehört).

Mit einer zweiten Säule ist ein Selbständigerwerbender nicht nur zur Zeichnung einer oder mehrerer Lösungen der gebundenen dritten Säule berechtigt, wobei er den gleichen Steuerabzug wie ein Arbeitnehmer (derzeit maximal 6.826 Franken) geltend machen kann, sondern er hat ferner auch die Möglichkeit, im Rahmen seiner fakultativen zweiten Säule Einkäufe vorzunehmen.

Mit einem Einkauf kann er seine Altersvorsorge aufstocken, indem er gelegentlich private Ersparnisse in seine zweite Säule einzahlt. Gleichzeitig kann er mit einem Einkauf eine erhebliche Steuerersparnis erzielen, denn der Einkaufsbetrag ist in voller Höhe vom steuerbaren Einkommen abzugsfähig (während es keine Möglichkeit eines Einkaufs oder rückwirkender Einzahlungen in die gebundene dritte Säule gibt). Sehr vorteilhaft ist ferner die Tatsache, dass ein Selbständigerwerbender die Hälfte des Einkaufsbetrags, den er in seine zweite Säule eingezahlt hat, von seinem AHV-pflichtigen Einkommen in Abzug bringen kann.

Der Selbständigerwerbende hat die Möglichkeit, die Höhe der Beiträge zu seiner zweiten Säule anzupassen. So kann er seine Beiträge im Laufe seines Berufslebens erhöhen oder bei schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen senken. Bei steigendem Arbeitseinkommen kann er seine berufliche Vorsorge erweitern. Er kann sein versichertes, d.h. sein beitragspflichtiges Einkommen anpassen, wobei sein gesamtes effektives Festeinkommen ohne den Koordinationsabzug Berücksichtigung findet. Damit kann er nicht nur seine künftigen Altersruhegelder verbessern, sondern auch seine Möglichkeiten eines Einkaufs in die zweite Säule.

Darüber hinaus ist es möglich, den Beitragssatz zur Altersvorsorge zu variieren. Die Staffelung der Beiträge zur BVG-Altersvorsorge ist für einen gesetzlichen Mindestplan der zweiten Säule progressiv, d.h. am Anfang des Berufslebens sind die Beiträge niedrig (7% des versicherten Jahresgehalts ab 25 Jahren) und später, gegen Ende des Berufslebens, höher (18% ab 55 Jahren). Allerdings geben manche Pensionskassen ihren Mitgliedern die Möglichkeit, bereits ab dem Alter von 18 Jahren hohe und gleichbleibende Beiträge einzuzahlen. Bei einem niedrigeren Eintrittsalter in die Altersvorsorge (18 statt 25 Jahre) und hohen Sparbeiträgen (beispielsweise bis zu 25% des versicherten Gehalts) ergeben sich weitaus höhere (steuerlich abzugsfähige) Beiträge und verbesserte Möglichkeiten für einen Einkauf in die Pensionskasse.

Einkäufe: Möglichkeiten ausgeschöpft?

Nach mehreren jährlichen Einkäufen in seine Pensionskasse kann der Fall eintreten, dass ein Selbständigerwerbender seine diesbezüglichen Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Es ist schade, dass man irgendwann keine Einkäufe mehr in die Pensionskasse vornehmen kann, auch wenn man mit 55 oder 60 Jahren häufig ein hohes Arbeitseinkommen hat (und dementsprechend besteuert wird). Bei unzureichenden Möglichkeiten eines Einkaufs in die Pensionskasse ist es gut zu wissen, dass die Stiftungen der beruflichen Vorsorge gegebenenfalls unterschiedliche Methoden zur Berechnung der Einkaufsmöglichkeiten anwenden. So schaffen Stiftungen, die ausschliesslich überobligatorische berufliche Vorsorge anbieten (wie die Partner der Bank Bordier), regelmässig neue Möglichkeiten für Einkäufe für ihre Mitglieder, die ihre diesbezüglichen Kapazitäten bereits erschöpft sahen. Dies ist einer der Gründe, aus denen sich Diversifikation durch die Wahl eines zusätzlichen Altersvorsorgeanbieters neben seinem angestammten BVG-Anbieter auszahlt. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefässe kann also ein Arzt, Anwalt oder Architekt über zwei zweite Säulen verfügen, ohne sein für die Altersvorsorge vorgesehenes Budget übermässig zu belasten.

Dieser Artikel ist Teil der Ganzheitlichen Vermögensberatung vom Juni 2020, siehe auch: