Was es bei Freizügigkeitslösungen zu beachten gilt

Ganzheitliche Vermögensberatung | Juni 2020

Alexandre Genet

Finanzplaner, Bordier & Cie

Wenn man aus einem Unternehmen ausscheidet, steht man bisweilen vor schwierigen finanziellen Entscheidungen. Bei einer längeren Arbeitsunterbrechung muss man sein Vorsorgeguthaben von der Pensionskasse des Arbeitgebers auf eine so genannte Freizügigkeitsstiftung übertragen. Das betreffende Guthaben wird also für mehrere Monate oder sogar Jahre auf einem Sonderkonto geparkt, bevor es erneut auf die Pensionskasse eines Arbeitgebers übertragen oder bei Übertritt in den Vorruhestand ausgezahlt wird.

In der Annahme, dass das Kapital nicht lange auf einem Freizügigkeitskonto verbleibt, greifen viele für die zwischenzeitliche Verwahrung ihres Kapitals auf eine „klassische“ Freizügigkeitsstiftung zurück. Aber bei dieser Lösung liegt ihr Kapital praktisch unverzinst auf dem Konto. Der von den Banken gezahlte Habenzins beträgt in vielen Fällen nur 0,01% jährlich und liegt damit deutlich unter dem zuvor von der Pensionskasse gebotenen. Seit einigen Jahren stellt man regelmässig einen Unterschied von fast zwei Prozentpunkten zwischen der jährlichen Gesamtvergütung eines bei einer Pensionskasse geführten Guthabens der zweiten Säule und derjenigen eines Freizügigkeitsguthabens fest, das zu einem banküblichen Satz verzinst wird.

Wenn jedoch die Anlagedauer eines Freizügigkeitsguthabens länger als ein Jahr beträgt, ist es legitim, eine korrekte Rendite anzustreben, damit das Kapital genau wie vorher in der Pensionskasse Zinsen einbringt.

„Der Zinseszinseffekt ist somit bei der Kapitalisierung im Hinblick auf die Altersvorsorge von entscheidender Bedeutung.“

Wichtig ist dabei die Wahl einer Anlagestrategie, die den eigenen Anlagezielen und Anlagehorizonten entspricht. Daher empfiehlt sich eine Anlage des Freizügigkeitsguthabens an den Finanzmärkten, insbesondere in renditestarke Anlageklassen, wobei man stets den Rat eines kompetenten Vermögensverwalters einholen sollte. Bei einem relativ kurzen Anlagehorizont und/oder einer hohen Risikoaversion ist eine defensive Strategie (mit einem Aktienanteil von rund 25% im Freizügigkeitsportfolio) angezeigt. Die Bank Bordier ist im Übrigen Partner von drei verschiedenen Freizügigkeitsstiftungen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit fungiert sie als Depotbank und Vermögensverwalter für die Mitglieder dieser Stiftungen.

Beim Ausscheiden aus einem Arbeitsverhältnis kann man sein Vorsorgeguthaben halbieren, um es in zwei verschiedene Freizügigkeitsstiftungen einzuzahlen. Eine weitergehende Stückelung ist nicht zulässig. Eine Einzahlung des Vorsorgeguthabens auf zwei Freizügigkeitskonten, die bei der gleichen Stiftung geführt werden, ist nicht gestattet. Dennoch kann eine Freizügigkeitseinrichtung mehrere Konten für ein- und dieselbe Person führen, sofern diese bei unterschiedlichen Freizügigkeitsfällen eingerichtet wurden. Selbstverständlich kann ein Mitglied jederzeit den Dienstleister wechseln, d.h. je nach Fall Stiftung und/oder Depotbank.

Wer nach einer Unterbrechung wieder in ein Beschäftigungsverhältnis eintritt, ist gehalten, alle seine Freizügigkeitsleistungen in die Vorsorgeeinrichtung seines neuen Arbeitgebers einzuzahlen. Ein eventueller Kapitalüberschuss kann nur dann auf einem Freizügigkeitskonto verbleiben, wenn dieses Kapital die vollen reglementarischen Leistungen übersteigt.

Diversifikation

Wer über ein hohes Kapital verfügt, kann durch Eröffnung zweier Freizügigkeitskonten (anstatt eines einzelnen) zwei unterschiedliche Anlagestrategien umsetzen. Diese auf zwei Konten geführten Guthaben können ebenfalls gestaffelt abgehoben werden, z.B. um den Ruhestand zu finanzieren, denn im Gegensatz zu einem klassischen Sparkonto können Auszahlungen von einem Freizügigkeitskonto nicht in mehreren Tranchen erfolgen. Des Weiteren kann die Auflösung von zwei Freizügigkeitsguthaben in zwei verschiedenen Steuerjahren in manchen Fällen einen steuerlichen Vorteil ergeben, denn durch die Auszahlung von zwei niedrigeren Beträgen sinkt die Steuerprogression. Freizügigkeitsleistungen stellen eine steuerfreie Vermögenskomponente dar, solange sie nicht ausgezahlt werden. Daher empfiehlt es sich, in dieser Komponente Wertpapiere (Aktien oder Anleihen) zu halten, die eine nicht der Einkommenssteuer unterliegende Rendite (Dividende oder Kupon) erzielen.

Dieser Artikel ist Teil der Ganzheitlichen Vermögensberatung vom Juni 2020, siehe auch: