Zweite Säule: fundamentale Nuancen

Ganzheitliche Vermögensberatung | März 2021

Alexandre Genet

Alexandre Genet

Finanzplaner, Bordier & Cie

Der BVG-Mindestzinssatz wird in diesem Jahr bei 1% belassen. Dieser Satz stellt den Mindestzins dar, zu dem die Vorsorgeguthaben derjenigen Berufstätigen zu vergüten sind, die im Rahmen der obligatorischen beruflichen Vorsorge versichert sind. Für den so genannten überobligatorischen Teil können die Pensionskassen entsprechend ihren finanziellen Vorgaben selbst einen unterschiedlichen Zinssatz festlegen.

Diese Mindestvergütung von 1% betrifft somit nicht unbedingt die überobligatorischen Vorsorgeguthaben, d.h. die Guthaben, die vor allem aus Sparbeiträgen aus dem Teil des Jahresgehalts stammen, der 86.040 Franken jährlich überschreitet. Der auf diese obere Gehaltstranche anzuwendende Zinssatz ist bisweilen niedriger als der gesetzliche Mindestzinssatz. Allerdings haben laut Bundesamt für Sozialversicherungen über 80% der Arbeitnehmer eine berufliche Vorsorge, die über die obligatorische Vorsorge hinausgeht, entweder weil ihre Pensionskasse bessere Leistungen gewährt oder weil sie ein Jahreseinkommen beziehen, das höher als 86.040 Franken ist.

Ansonsten wenden – unabhängig von den Plänen zur Reformierung der beruflichen Vorsorge – zahlreiche Vorsorgeeinrichtungen den gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8% ausschliesslich auf den obligatorischen BVG-Anteil an und wandeln die überobligatorischen Guthaben zu einem deutlich tieferen Satz in eine Rente um. Bisweilen resultiert daraus ein Umwandlungssatz, der beim Übertritt in den Ruhestand zum gesetzlichen AHV-Alter unter 6% liegt.

Es sei daran erinnert, dass Versicherte mit einem hohen Einkommen, die regelmässige Einkäufe in ihre zweite Säule vorgenommen haben, in bestimmten Fällen am Ende ihres Berufslebens über überobligatorische Guthaben verfügen können, die weit höher als ihre obligatorischen Guthaben sind. Im Einzelfall können diese 5- bis 10-mal so hoch sein. De facto weisen die Pensionskassen Einkäufe zunächst den überobligatorischen Guthaben ihrer Versicherten zu. Angenommen, diese überobligatorischen Guthaben, die den grössten Teil des Vermögens der zweiten Säule eines Versicherten ausmachen, würden in manchen Jahren nicht verzinst. Dabei muss man wissen, dass manche Pensionskassen, die zeitweise keine ausreichende Rendite erzielen oder Wertschwankungsreserven bilden müssen, die Verzinsung des überobligatorischen Vorsorgeguthabens vorübergehend aussetzen können.

Ein Unternehmenschef, der einziger Beschäftigter seiner AG oder GmbH ist, oder ein Selbständiger kann ab einem Jahreseinkommen von 86.040 Franken zusätzlich zu seinem bereits bestehenden BVG-Basisplan eine weitere zweite Säule aufbauen.

„In diesem Fall gestaltet der Versicherte seine überobligatorische berufliche Vorsorge aktiv mit, indem er eine auf sein Anlegerprofil abgestimmte Anlagestrategie wählt.“

Sein überobligatorisches Guthaben aus der beruflichen Vorsorge wird bei der Bank Bordier eingezahlt und von einem Vermögensverwalter betreut. So kann der Versicherte auf der Grundlage einer fundierten Beratung in Anlageklassen investieren, die bessere Renditen erzielen. Dies ist in Phasen, in denen risikolose Anlagen nur sehr niedrig verzinst werden – und in einer solchen befinden wir uns gerade – umso wichtiger. Gleichzeitig kommt der Versicherte in den Genuss potenziell höherer Renditen sowie häufig weiterer Einkaufskapazitäten, so dass er sein Altersvorsorgeguthaben aufstocken und sein steuerpflichtiges Einkommen mindern kann. In der Praxis bestehen bei der Berechnung der Einkaufskapazitäten von Pensionskasse zu Pensionskasse Unterschiede. Manche Pensionskassen, die ausschliesslich im überobligatorischen Bereich tätig sind, bieten gegebenenfalls zusätzliche Einkaufskapazitäten an, ohne dass das beitragspflichtige Gesamtgehalt oder der Beitragssatz für die Altersorge steigt.

Eine ausreichende Diversifikation

Mit zwei Plänen der zweiten Säule (einem Basis- und einem Zusatzplan) bei zwei verschiedenen Pensionskassen kann ein Versicherter die Finanzplanung für seine Altersvorsorge diversifizieren und flexibler gestalten. Bei Beibehaltung des gleichen Anlegerprofils, d.h. ohne höheres Anlagerisiko, können Kunden der Bank Bordier ihr Privatvermögen und ihr überobligatorisches Guthaben aus der beruflichen Vorsorge geschickt koordinieren. So kommen sie in den Genuss einer steueroptimierten Vermögensverwaltung. Wenn sie beispielsweise Wertpapiere (dividendenstarke Schweizer Aktien) in das Vermögen der überobligatorischen zweiten Säule einbeziehen, können sie eine Steuerersparnis erzielen. Dividenden unterliegen nicht der Einkommensteuer, sofern sie Teil der zweiten Säule sind. Somit kann die durchschnittliche Rendite der Anlagen deutlich gesteigert werden, wodurch das zur Finanzierung des Ruhestands verfügbare Guthaben mit der Zeit wächst.

Senkung der Steuerlast

Nach einem Anstieg seines Einkommens kann ein Unternehmenschef oder ein Selbständiger, der selbst über seine berufliche Vorsorge entscheidet, eine Erweiterung dieser Vorsorge durch höhere Sparbeiträge aufbauen. Damit kann er nicht nur seine künftigen Altersleistungen verbessern, sondern verfügt auch über bessere Einkaufskapazitäten. Wir weisen darauf hin, dass manche Pensionskassen, die ausschliesslich eine überobligatorische Vorsorge der zweiten Säule anbieten, ihren Versicherten bereits ab 18 Jahren (anstatt der üblichen 25 Jahre) einen hohen Beitragssatz zur Altersvorsorge gestatten. Geht man von einem niedrigeren theoretischen Eintrittsalter in die Altersvorsorge sowie einem hohen und linearen Beitragssatz zur Altersvorsorge (beispielsweise 20% oder 25%) während der gesamten Versicherungsdauer aus, dann ergeben sich sehr gute zusätzliche Einkaufskapazitäten. Diese Optimierung bietet vor allem Versicherten der Altersklasse zwischen 50 und 60 Jahren die Möglichkeit für den Einkauf von mehr Jahren am Ende der Berufstätigkeit. Wir weisen nochmals darauf hin, dass Einkäufe in die zweite Säule vom steuerpflichtigen Einkommen des Versicherten in vollem Umfang abzugsfähig sind und aus dem Privatvermögen, mit einer Erbschaft oder eventuellen Mieteinnahmen etc. finanziert werden können.

Dieser Artikel ist Teil der Ganzheitlichen Vermögensberatung vom März 2021, siehe auch:

de_DEGerman

Dankeschön !